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Begleitend zu der Geschichte werden Verse gesprochen, Bewegungsspiele gemacht, Lieder gesungen und gespielt. Einer Geschichte zuhören aber auch aktiv mitmachen, miteinander eine Geschichte erleben – so macht Sprache Spass.

Bücherrabe mit 5 Fingerpuppenhasen
Blaas mer i d Schue - Redensarten und ihre Geschichten

Christian Schmid bekannt als Autor und Mundartspezialist beim Radio und Fernsehen, erklärte am Dienstag, den 29. Oktober 2019 unterhaltend Herkunft und Bedeutung mundartlicher Redensarten. "Ruth und Anna" das Duo von Unterägeri hat die Texte mit dem besonderen und erfrischend neuen Klangerlebnis der Ukulele und Oboe verbunden.


In der Fragerunde am Schluss fragte jemand nach dem Ausdruck «steerneföifi». Christian Schmid konnte nur mit einer Vermutung antworten. Unten finden Sie nun die ausführliche Erklärung.

stäärnefüfi
Christian Schmid: In der Fragerunde am Schluss des Abends wurde ich gefragt, weshalb wir sterneföifi oder stäärnefüfi sagen. Weil ich darauf keine Antwort wusste und auch nach der Konsultation des «Schweizerischen Idiotikons» etwas ratlos bin, trage ich hier zusammen, was ich gefunden habe.
Eine direkte Antwort auf die Frage gibt «20Minuten» in der Ausgabe vom 16. September 2014 unter dem Titel «Was das Grosi mit dem Teufel zu tun hat». Dort wird behauptet, der Ausdruck beziehe sich auf den fünfzackigen Stern und der sei, auf die Spitze gestellt, in gewissen Kreisen ein Symbol für den Teufel. Weil man den Teufel nicht beim Namen nennen dürfe, habe man stäärnefüfi gesagt. Die Antwort klingt zwar hübsch, lässt sich aber nicht belegen. Nachdenklich machen muss doch die Tatsache, dass es keine alten Belege gibt für stäärnefüfi und dass der Ausdruck in anderen Mundarten und im Hochdeutschen nicht vorkommt, obwohl der Teufel und der fünfzackige Stern im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt sein dürften.
Im «Schweizerischen Idiotikon» fehlt stäärnefüfi im Band 1 im Artikel zu fünf und seinen Zusammensetzungen. Man ist deshalb geneigt anzunehmen, dass es den Ausdruck Ende der 1880er-Jahre noch nicht gegeben hat. Belegt ist er im «Zürichdeutschen Wörterbuch»: Stèèrneföifi, im «Obwaldner Mundart-Wörterbuch»: Stäärnä fyyfi; im «Baselbieter Wörterbuch»: stäärneföifi; in «Innerrhoder Dialekt»: steenefööfi «Himmel-noch-einmal» und im «Senslerdeutschen Wörterbuch»: stäärnefüüfi «Ausruf des Erstaunens, Erschreckens, Unmuts».
Stäärnefüfi ist ein harmloses Kraftwort. Stäärne kommt laut dem Artikel zu Stern im 11. Band des «Idiotikons» in vielen Beteuerungs- und Fluchformeln vor, z. B. Stäärne, Stäärne abenang(ere), botz Stäärne, Herrgott Stäärne, Stäärnecheib, Stäärnehagel, Stäärnesiech, Stäärnetonnerwätter, Stäärnetüüfel. Mit dem Ausdruck es Füfi konnte man ganz Unterschiedliches bezeichnen, z. B. die Fünf-Rappen-Münze, ein Gebet, das aus fünf Vaterunser bestand, und einen einfältigen, bäurischen Menschen, verstärkt Purefüfi, Äärdefüfi oder Stierefüfi.
Unter diesen Voraussetzungen gibt es zwei Möglichkeiten stäärnefüfi zu verstehen. Entweder bezichtigt man sich mit dem Kraftausdruck Stäärnefüfi selbst im Sinne von: i bi doch es stäärnstumms Füfi. Oder, was viel wahrscheinlicher ist, füfi ist im Ausdruck stäärnefüfi ein Hüllwort für Tüüfu, Hagu oder Tonnerwätter, die man ja beim Schelten nicht anrufen sollte, weil das Angerufene einem schaden könnte. So versteht es auch der Autor Heinz Gallmann des «Zürichdeutschen Wörterbuchs». Er schreibt nämlich:
«Kraftausdrücke können durch stèèrne- gesteigert werden, es hat dann etwa die Bedeutung von ‹himmelhoch›. Flüche und Verwünschungen werden verstärkt durch Anreihung übler Wörter, sie können aber auch entschärft werden durch die Überführung des letzten Gliedes in ein braves, unverfängliches Element» – und ein solches wäre dann eben füfi in stäärnefüfi.
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